Das muss man wissen: Måns Zelmerlöw

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Das jährliche Festival des Kitsch, der Eurovision, ist wieder mal vorbei. Die meisten in den USA schauen sich den entweder gar nicht an oder kennen diesen paneuropäischen Gesangswettbewerb, den es schon seit den 60er Jahrengibt, gar nicht. Versucht man, ihn einem nicht-wissenden zu erklären, nenne ich ihn meist die ältere Version von American Idol, in der europäische Nationen ihre besten und außerordentlichsten Sänger in einen Wettbewerb schicken, mit der Aussicht nichts ausser Ruhm, Ehre und eine billig aussehende Trophäe in Form eines Mikrofons zu gewinnen. Zudem gibt es einen schon fast lächerlichen Hype über den gesamten Wettbewerb, der aus welchem Grund auch immer nicht über den Atlantik geschwappt ist. Aber in Europa ist er das meist gesehende Nicht-Sport-Event im Jahr. Um dem noch eins drauf zu setzen: ungefähr die Hälfte der Länder nehmen den Eurovision sehr ernst, während die andere Hälfte eher Teilnehmer, deren Karrierehöhepunkt schon vorbei ist, schicken (wie Katrina and the Waves, für Großbritannien im Jahr 1997), oder Künstler die scheinbar nur dafür aufgebaut worden sind um Aufsehen im Wettbewerb zu stiften (wie die Heavy Metal Band Lordi, für Finnland im Jahr 2006). Trotz oder vielleicht genau deswegen hat der Wettbewerb eine recht schwache Quote bezüglich der Superstars die aus ihm hervorkommen, wobei ABBA und Celine Dion hier die erwähnenswerten Ausnahmen sind, die diese Regel bestätigen.
Die Gewinnerin aus dem letzten Jahr, Conchita Wurst (die bärtige Dragqueen aus Östereich), ist dafür vielleicht das beste Beispiel. Ihre Gesangskarriere verblasst im Vergleich zu ihrer Rolle als Botschafterin der LGBT-Community. Aber all das könnte sich mit dem diesjährigen Gewinner aus Schweden, Måns Zelmerlöw, ändern.

SwedishIdolZelmerlöw ist zum ersten mal in der 2005er Staffel von Swedish Idol öffentlich aufgetreten. Er wurde nur fünfter, und das hätte das Ende seiner Gesangskarriere sein können (die damalige Gewinnerin, Agnes Carlsson hat danach weiter Karriere in Europa gemacht und auch in den USA mit „Release Me“ einen Hit gelandet). Aber er ist hat weiter gemacht und 2006 das schwedische Let’s Dance, einem Tanzwettbewerb mit Prominenten, gewonnen – und sich so bei einem breiteren Publikum beliebt gemacht. Verschiedene Moderatorenjobs und die Rolle in der schwedischen Version von Grease haben ihm dazu verholfen, dass jeder Haushalt in seinem Land seinen Namen kennt. Aber Zelmerlöw hatte noch nicht mit dem Reality-TV-Gesanggeschäft abgeschlossen. Er nahm drei mal am Melodifestivalen, Schwedens Qualifikationswettbewerb für den Eurovision, teil. 2007 und 2009 hat er ihn verloren, aber beim dritten mal konnte er mit seinem Charme begeistern und hat ihn 2015 endlich mit „Heroes“ gewonnen. Heroes ist kein wirklich innovativer Song: Er klingt wie eine Mischung von David Guetta’s „Lovers on the Sun“ und dem größten Hit von einem seiner schwedischen Landsmänner, Cvicii. Zudem ist er auch nicht das beste Heroes-Lied eines schwedischen Sängers in den letzten Jahren: Diese Ehre gebührt Alesso/Tove Lo track, was Ende 2014 zu einem Dance-Hit wurde. Aber unterstützt durch eine fantastische Special-Effektshow (guckt euch mal den Fausschlag bei 1:53 an!) und Zelmerlöw’s natürlicher Ausstrahlung wurde der Song schnell einem der Favoriten für den Eurovision:

Und es hat funktioniert: Zelmerlöw segelte zunächst mit Leichtigkeit durch die Halbfinal-Runde und stürmte dann das Finale mit der dritthöchsten Punktzahl (365) in der fast 60jährigen Geschichte des Wettbewerbes. Es war ein überzeugender und wohlverdienter Sieg für Schweden. Aber die früheren Gewinner können ein Lied davon singen, dass der Gewinn des Eurovision nicht automatisch auch ein Oneway-Ticket zu Ruhm und Glück ist: 2009 gewann Alexander Rybak für Norwegen mit der höchsten Punktzahl die jemals erreicht wurde (387), hatte danach aber nur eine kurze Karriere die sich auch nur auf Skandinavien begrenzte. In Fakt sind die meisten Gewinner des Eurovision innerhalb weniger Jahre vergessen. Was hebt Zelmerlöw davon ab? Zu allererst: Er sieht verdammt gut aus. Es kann nie schaden, wenn man im Popmusik-Geschäft gut aussieht, und die Schweden sind für ihr gutes Aussehen bekannt. Auch nur ein kurzer Blick auf sein Instagram Profil bestätigt, dass Zelmerlöw wie der anbetungswürdige heisse Kerl aus der Nachbarschaft ist. Er war sogar mal mit einer der A*Teens zusammen – wenn sie das weiter geführt hätten, dann wäre daraus sicher das best aussehende menschliche Geschöpft auf Erden hervor gekommen.

God morgon.

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Zelmerlöw liegt der Auftritt auf einer Bühne im Blut. Neben dem Eurovision, Swedish Idol, und Let’s Dance, kann er eine Reihe von Erfahrung als Moderator und Präsentator im schwedischen Fernsehen aufweisen. Eine seiner besten Jobs dabei war die Moderation der QX Gay Gala im Jahr 2014, wo er die schwedische Version von „In the Navy“ von The Village People sang, um ein Zeichen gegen die damaligen homophoben Entwicklungen in Russland zu setzten indem er dort nackt auf einer improvisierten Abrissbirne tanzte, ganz im Stil von Miley Cyrus. Eine Mimose ist Zelmerlöw sicher nicht! Aber er ist nun an einem wichtigen Punkt seiner Karriere. Nachdem er drei Alben in schwedisch und zudem zwei Weihnachts-Alben heraus gebracht hat, ist er nun dazu bereit die internationalen Märkte zu stürmen. In ihm steckt der  Ehrgeiz und Gier danach zum Superstar zu werden. Trotz all der Dinge die man gegen den Eurovision sagen kann: Er hat ein riesiges Publikum und ernkann ihm damit als perfektes Sprungbrett für den nächsten Schritt seiner Karriere dienen. Und wenn man sich dabei an seine vergangenen Hits orientiert, wird er das sehr gut machen, zumindest in Europa und in Asien. Viele seiner früheren Lieder ähneln denen von Enrique Iglesias; das ist kein Zufall,  Iglesias hat Zelmerlöw immer inspiriert. Man sagt ihm sogar nach, dass er so ähnlich wie der spanische Herzensbrecher aussieht und er führte auch zwei seiner Lieder bei Swedish Idol auf. „Cara Mia“ ist das beste Beispiel für diesen „Iglesias-Effekt“: 2007 als seine erste Single veröffentlicht, klingt der Song wie eine Euro-Dance-Pop-Produktion mit der Iglesias um die Jahrtausendwende viel Erfolg hatte.

Der Riesen-Hit in Schweden (vier Wochen auf Nummer 1) hätte Europa im Sturm erobert, wenn seine Plattenfirma den Song auf dem ganzen Kontinent veröffentlicht hätte. Warner Music Schweden täte nun gut daran, all seine Alben genau jetzt wieder-zuveröffentlichen um Kapital aus Zelmerlöw’s gestiegenem Marktwert zu schlagen. Leider ist keins seiner Alben in den USA erhältlich. „Heroes“ ist auf iTunes erhältlich genauso wie seine dritte Single „Miss America„. Und versucht man seine Alben als Import zu erwerben ist das etwas frustrierend: Auf Amazon wird sein erstes Album gebraucht für 65$ verkauft. Wenig überraschend: Zelmerlöw hat am 5. Juni ein neues Album heraus gebracht: Perfectly Damaged, mit „Heroes“ als erster veröffentlichter Titel. Hier sollte man leichter an eine Import-Ausgabe des Albums rankommen können.

Das Timing als Gewinner des Eurovision hätte für Zelmerlöw nicht besser kommen können. Als solcher hat das Album das Potential ein Riesen-Sommer-Hit in ganz Europa zu werden (zudem muss man erwähnen dass er extrem gut auf dem Cover aussieht!). Also sieh zu, dass du an das Album heran kommst, Måns Zelmerlöw ist auf dem Weg dazu ein großer Star zu werden. Dieses mal hat der Eurovision einen wirklichen Gewinner hervorgebracht!

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