Die griechische Mythologie ist viel schwuler als du denkst…

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„Durch  Mythologie kann man sehr viel über eine bestimmte Kulur lernen” sagt Steve Kenson, Designer bei Green Ronin Publishing, die Rollenspiele (role playing games – RPG’s) herausgeben. Die Götter und Göttinnen einer Kultur reflektieren die Werte einer Gesellschaft sowie deren Regeln, ihren Glauben und auch deren Einzelmenschen. Und obwohl viele Charaktere und Handlungsstränge in Video- und Rollenspielen durch bestehende Mythologien inspiriert sind, werden schwule Themen und Situationen dann doch meist zu Gunsten von heterosexuellen ausgeschlossen.

„Dadurch, dass man in dieser Mythologie nicht repräsentiert ist fühlt man sich nicht nur wie ein Außenseiter dieser Kultur, sonder auch so als ob man auf einer kosmischen Ebene komplett ausgelöscht ist.“ sagt Kenson.

Bei einer Podiums-Diskussion unter dem Titel „Queer as a 3-Sided Die“ sprach Kinson neben Joe Carriker (Entwickler von A Song of Ice and Fire, der RPG-Version des Buches Game of Throne), Lauren Comp (Ko-Produzent bei Voltage Entertainment, die Japan-Style-Romantik-Spiele produzieren) und Jeremy Crawfort (Chefdesigner der fünften Edition von Dungeons and Dragons).

Während die ganze Welt die griechische Mythologie und deren Pantheon kennt wissen jedoch die wenigsten, dass die meisten dieser Götter (wenn nicht sogar alle) omnisexuell waren: Oft fühlten sie sich zu den sterblichen Menschen hingezogen uns wählten sich unabhängig vom Geschlecht einen Erdenbürger aus und hatten Sex mit allem und jedem – sogar mit Tieren und Pflanzen.

So ist zum Beispiel Zeus, der oberste Gott, nicht nur für seinen rachedurstigen Herrscherblitz bekannt, sondern auch für seine begehrenden Augen: Zeus hatte zahlreiche Abkömmlinge aus seinen diversen mit Romanzen und Vergewaltigungen von Frauen, aber er hatte auch homosexuelle Beziehungen zu Männern. In einem Fall war er so von der Schönheit des sterblichen Ganymed so sehr gefesselt, dass er sich in einen Adler verwandelte, den Jüngling entführte und ihn als Mundschenk der Götter in den Olymp brachte – damit er ihn die ganze Zeit bewundern kann.

Eine weitere wohlbekannte Liebesgeschichte ist die von Orpheus als er in die Unterwelt stieg um dort nach Eurydike zu suchen, der Frau die er liebte. Schlussendlich kann er sie jedoch nicht zurück erlangen und wendete sich seitdem der Knabenliebe zu. Die Frauen aber wollten mit ihm schlafen und hassten ihn dafür. Am Ende haben sie ihn deswegen sogar umgebracht indem sie ihn sprichwörtlich in Stücke rissen.

Auch Apollon hatte männliche Liebhaber: Der schöne Jüngling Hyakinthos war der Geliebte von Apollon, aber Zephyrus, Gott des Westwindes, hatte auch Gefallen an Hyakinthos. Der eifersüchtige Zephyros lenkte Apollons Diskus in der Luft ab, so dass dieser Hyakinthos traf und ihn tötete. Statt seinen Geliebten an Hades zu übergeben ließ der trauernde Apollon aus dem Blut von Hyakinthos eine Blume entstehen – durch die seine Schönheit auf ewig weiter bestehen solle.

Dies sind nur ein paar Beispiele in einer langen Liste von gleichgeschlechtlichen Geschichten in der Mythologie, und es gibt viele weitere. Diese Sagen stammen aus einer Kultur in der es den Unterschied zwischen „schwul“ und „hetero“ nicht gab – und damit auch keine Stigmatisierung.

Oder so wie Kenson sagte: „Es gibt keine „schwule Mythologie“. Das ist  ein Teil der Menschheits-Geschichte – und wir müssen diese Geschichte zurück erlangen, indem wir sie anerkennen.“

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