Sag hallo zu Chevalier d’Éon, Frankreichs transsexueller Agentin aus dem 17. Jahrhundert

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Wenn man heute in die Medien anschaut könnte man meinen, dass transsexuelle Menschen eine „neue“ Sache sind, auch weil in unserer Gesellschaft immer nochg viele Leute es nicht akzeptieren können, wenn sie auf Transen treffen. Aber natürlich ist Transsexualität nichts Neues. Letzten Montag zum Beispiel gab es im „Comment Is Free“-Abschnitt der Zeitung The Guardian einen Beitrag über Chevalier d’Éon, ein französischer Diplomat und Agent, der im Alter von ca. 50 sein Geschlecht gewechselt hat… im Jahr 1777.

D’Éon war ein guter Schüler und wurde Mitglied beim Secret du Roi, König Ludwig XV geheimen Agenten-Netzwerk, das ohne das Wissen der französischen Regierung existierte. Offiziell war sie Botschafterin in England. In dieser Position konnte sie Informationen zu einer möglichen Invasion sammeln, einem Plan von dem noch nicht mal die Minister von Ludwig XV Bescheid wussten. Sie lag später in Fehde mit einem anderen französischen Botschafter, aber die Briten stellten sich auf ihre Seite und der andere Botschafter wurde zurück gezogen.

Während ihrer ganzen Laufbahn gab d’Èon an, dass sie von Geburt aus weiblich sei – Und sie aus erbrechtlichen Gründen vorgeben musste ein Mann zu sei. Und es gab lange Zeit Spekulationen hinsichtlich dem wahren Geschlecht von d’Èon. An der Börse von London konnte man sogar auf ihr „wahres“ Geschlecht wetten abschließen. Sie wurde sogar dazu eingeladen dieser Wettgemeinschaft beizutreten – was sie aber mit der Begründung ablehnte, dass es so oder so nicht akzeptiert würde. Die Wettgemeinschaft hat sich kurz darauf aufgelöst.

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Sie hat sogar von der französischen Regierung verlangt, als Frau anerkannt zu werden. Dies Anerkennung erhielt sie auch unter der Voraussetzung, dass sie nur noch in Frauenkleidung anzieht. Sie stimmte dem zu und nach langer Verhandlung wurde es ihr erlaubt, nach Frankreich zurück zu kehren, auch wenn sie in die Gegend von Tonnerre verbannt wurde. Dadurch konnte man vermieden, dass sich Frankreich in den amerikanischen Bürgerkrieg einmischte.

Auch von der französischen Revolution konnte d’Èon nicht profitieren: Sie starb völlig verarmt im Alter von 81 Jahren. Als Ärzte ihre Leiche untersuchten stellte man fest, dass sie von Geburt aus männlich war. D’Èon lebt aber weiter: Der heute veraltete Begriff „Eonismus“ steht für das, was wir heute Transsexualität nennen. Und auch die Beaumont Society wurde nach ihr benannt. Es gab auch einige Theaterstücke, Filme und Bücher über sie. Aber in den meisten wird nicht auf ihre transsexuelle Identität eingegangen. Eine Biografie, die sich ihrer wahren Person wiedmet und ihre wahre Geschichte dabei erzählt, ist längst überfällig.

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